Heizen mit Klimaanlage: Lohnt sich die Luft-Luft-Wärmepumpe?
Eine Split-Klimaanlage kann nicht nur kühlen, sondern auch heizen. Als Luft-Luft-Wärmepumpe gewinnt sie den größten Teil der Wärme aus der Außenluft. Für einzelne Räume und die Übergangszeit ist das oft günstiger als Gas oder Öl. Für das ganze Haus und für Warmwasser gibt es bessere Lösungen.
Stand 25.10.2026 · Von Arda Kemikli und Fabian Kraus, K&K Klimatechnik · Lesezeit ca. 5 Minuten
Kurz gesagt: Eine Split-Klimaanlage mit Heizfunktion ist eine Luft-Luft-Wärmepumpe. Sie macht aus einer Kilowattstunde Strom mehrere Kilowattstunden Wärme. Für einzelne Räume und die Übergangszeit ist das oft günstiger als Gas oder Öl. Eine Zentralheizung für das ganze Haus ersetzt sie meist nicht, und Warmwasser macht sie nicht. Stand 25.10.2026.
Wie eine Klimaanlage heizt
Im Sommer holt die Klimaanlage Wärme aus dem Raum und gibt sie draußen ab. Zum Heizen dreht ein Ventil den Kältekreis um. Jetzt nimmt das Außengerät Wärme aus der Außenluft auf, auch wenn es draußen kalt ist. Der Verdichter hebt diese Wärme auf ein höheres Temperaturniveau, und das Innengerät bläst warme Luft in den Raum.
Weil der größte Teil der Wärme aus der Umgebung stammt, braucht das Gerät nur Strom für Verdichter und Ventilatoren. Genau das macht den Unterschied zum Heizlüfter, der jede Kilowattstunde Strom nur in eine Kilowattstunde Wärme verwandelt.
Der SCOP: die wichtigste Zahl beim Heizen
SCOP steht für die saisonale Leistungszahl im Heizbetrieb. Ein SCOP von 4 heißt: Über eine ganze Heizsaison gerechnet liefert das Gerät aus 1 kWh Strom etwa 4 kWh Wärme. Die Zahl steht auf dem EU-Energielabel. Pflicht ist dort die Klimazone „durchschnittlich“ mit dem Referenzort Straßburg. Die Klassen fürs Heizen sind so festgelegt:
| Energieeffizienzklasse Heizen | SCOP mindestens |
|---|---|
| A+++ | 5,10 |
| A++ | 4,60 |
| A+ | 4,00 |
| A | 3,40 |
Ein Beispiel aus unserem Sortiment: Für die Mitsubishi Electric MSZ-RZ in der 2,5-kW-Größe nennt die Eurovent-Zertifizierung einen SCOP von 5,3 und die Klasse A+++. Das Gerät arbeitet mit dem natürlichen Kältemittel R290 und ist auf Heizen bei Frost ausgelegt.
Wichtig für die Oberpfalz und viele Teile Bayerns: Die Winter sind hier oft kälter als in Straßburg. Je tiefer die Außentemperatur, desto weniger effizient arbeitet jede Wärmepumpe. Dazu kommen Abtauphasen, in denen das Außengerät Eis abschmilzt. Im Alltag liegt die Effizienz deshalb meist unter dem Wert auf dem Label. Wir rechnen unten vorsichtig mit beidem.
Was kostet eine Kilowattstunde Wärme?
Die Tabelle zeigt eine Beispielrechnung mit Annahmen. Den Strompreis setzen wir mit 37 Cent an, dem Durchschnitt für Haushalte laut BDEW im August 2026. Für Gas nehmen wir 12 Cent an, für Heizöl 1 Euro je Liter. Ein Liter enthält rund 10 kWh.
| Heizart | Preis-Annahme | Kosten je kWh Wärme |
|---|---|---|
| Split-Klimaanlage, SCOP 5 (Niveau Datenblatt) | Strom 37 Cent | ca. 7,4 Cent |
| Split-Klimaanlage, im Alltag 3,5 (vorsichtig) | Strom 37 Cent | ca. 10,6 Cent |
| Gas-Brennwertkessel, Nutzungsgrad 90 % | Gas 12 Cent | ca. 13,3 Cent |
| Ölkessel, Nutzungsgrad 85 % | Heizöl 1 € je Liter, rund 10 Cent je kWh | ca. 11,8 Cent |
| Heizlüfter, Infrarot, Strom direkt | Strom 37 Cent | ca. 37,0 Cent |
Das Ergebnis: Selbst mit vorsichtiger Effizienz liegt die Klimaanlage beim Preis je Kilowattstunde Wärme in der Nähe von Gas und Öl oder darunter. Gegenüber Heizlüfter und Infrarotpaneel kostet sie nur einen Bruchteil. Ihre Preise können anders sein, vor allem mit einem günstigen Wärmepumpentarif oder Strom vom eigenen Dach. Rechnen Sie Ihren Fall im Stromkosten-Rechner nach.
Beispiel: ein Zimmer in der Übergangszeit
Nehmen wir ein Arbeitszimmer mit 25 m², das von Oktober bis April an kühlen Tagen zusätzlich beheizt wird. Wir setzen dafür 1.500 kWh Wärme pro Jahr an. Mit den Annahmen aus der Tabelle kostet das ungefähr:
- mit der Klimaanlage bei vorsichtiger Effizienz von 3,5: rund 159 Euro,
- mit der Gasheizung: rund 200 Euro,
- mit einem Heizlüfter: rund 555 Euro.
Der Vorteil wächst, wenn Sie im Sommer ohnehin kühlen wollen. Dann ist das Gerät schon da, und das Heizen ist ein Zusatznutzen ohne weitere Anschaffung. Die Zahl 1.500 kWh ist eine Annahme. Wie viel Wärme Ihr Raum wirklich braucht, hängt von Dämmung, Fenstern und Nutzung ab.
Wo die Grenzen liegen
- Nur ein Raum: Ein Innengerät heizt den Raum, in dem es hängt. Für mehrere Räume brauchen Sie mehrere Innengeräte, zum Beispiel als Multisplit.
- Warme Luft steigt: Unter der Decke ist es wärmer als am Boden. Gute Geräte lenken die Luft nach unten, ganz verschwindet der Effekt nicht.
- Luftbewegung: Manche Menschen empfinden den Luftstrom als Zug. Eine gute Platzierung und eine niedrige Lüfterstufe helfen.
- Kein Warmwasser: Duschen und Spülen bleiben Sache der bestehenden Heizung oder eines Speichers.
- Frost: Bei Minusgraden sinken Heizleistung und Effizienz. Wie viel Leistung bei −7 °C oder −15 °C übrig bleibt, steht im Datenblatt.
Wo Heizen mit Klimaanlage sinnvoll ist
- In der Übergangszeit im Herbst und Frühjahr, wenn der Heizkessel für ein paar kühle Stunden anspringen müsste.
- Im ausgebauten Dachgeschoss, Anbau oder Wintergarten, den die Zentralheizung schlecht erreicht.
- Im Büro, in der Praxis oder in der Ferienwohnung, wo im Sommer ohnehin gekühlt wird.
- Zusammen mit einer Photovoltaikanlage, die tagsüber Strom liefert.
Wollen Sie das ganze Haus mit Wärmepumpe beheizen und Warmwasser bereiten, ist meist eine Luft-Wasser-Wärmepumpe die richtige Wahl. Mehr dazu im Ratgeber Wärmepumpe: Kosten und Förderung.
Worauf Sie beim Gerät achten sollten
- SCOP und Heizleistung bei Frost: Nicht nur die Nennleistung vergleichen, sondern die Werte bei tiefen Temperaturen im Datenblatt.
- Einsatzgrenze: Bis zu welcher Außentemperatur der Hersteller den Heizbetrieb freigibt.
- Abtauwasser: Beim Heizen tropft am Außengerät Wasser. Der Ablauf muss frostsicher geplant sein, damit kein Eis auf Gehweg oder Terrasse entsteht.
- Kältemittel: Geräte mit R290 sind auch nach 2029 noch neu erhältlich. Hintergründe im Ratgeber R290 oder R32.
Förderung und Anmeldung
Reine Klimaanlagen werden nicht gefördert. Luft-Luft-Wärmepumpen als Heizung sind in der Förderung nicht grundsätzlich ausgeschlossen, die Hürden sind aber hoch und der Einzelfall entscheidet. Wir versprechen deshalb keine Förderung, sondern prüfen sie auf Wunsch mit Ihnen. Mehrere Geräte mit zusammen mehr als 4,2 kW elektrischer Anschlussleistung müssen beim Netzbetreiber angemeldet werden. Mehr dazu im Ratgeber Genehmigung in Bayern.
Quellen
- Eurovent: Zertifikat Mitsubishi Electric MSZ-RZ25VU / MUZ-RZ25VUHZ
- Mitsubishi Electric: Produktinformation MSZ-RZ (PDF)
- EUR-Lex: Delegierte Verordnung (EU) Nr. 626/2011, Energielabel Luftkonditionierer
- BDEW-Strompreisanalyse August 2026 (PDF)
- 42watt: Gaspreisentwicklung 2026 (mit Destatis-Werten)
- FGK: FAQ zur Förderung von Luft-Luft-Wärmepumpen (PDF)
Stand 25.10.2026. Alle Angaben sorgfältig recherchiert, aber ohne Gewähr. Dieser Ratgeber ist keine Rechts-, Steuer- oder Förderberatung.
Häufige Fragen
Ist Heizen mit Klimaanlage günstiger als mit Gas?
Oft ja, je nach Strom- und Gaspreis und Effizienz des Geräts. In unserer Beispielrechnung kostet eine Kilowattstunde Wärme mit Klimaanlage etwa 7 bis 11 Cent, mit Gas etwa 13 Cent. Ihre eigenen Preise können anders sein.
Heizt eine Klimaanlage auch bei Minusgraden?
Ja. Moderne Geräte heizen auch bei Frost, Leistung und Effizienz sinken aber mit der Außentemperatur. Wie weit, steht im Datenblatt. Modelle wie die Mitsubishi Electric MSZ-RZ sind ausdrücklich auf Heizen bei Kälte ausgelegt.
Kann eine Klimaanlage die Heizung ersetzen?
Im gut gedämmten Einzelraum oder in einer kleinen Wohnung manchmal. Im ganzen Haus meist nicht, weil jedes Innengerät nur seinen Raum heizt und kein Warmwasser entsteht.
Gibt es Förderung für eine Klimaanlage zum Heizen?
Reine Klimaanlagen werden nicht gefördert. Für Luft-Luft-Wärmepumpen als Heizung ist eine Förderung nur in engen Fällen möglich. Wir prüfen das auf Wunsch im Einzelfall.
Kühlen im Sommer, heizen im Herbst.
Wir zeigen Ihnen, welches Gerät für Ihren Raum auch beim Heizen überzeugt, mit ehrlichen Zahlen aus dem Datenblatt.